englische Version

Die adelige Vergangenheit

Sanzeno kann als Palimpsest bezeichnet werden, in den sich die historischen Ereignisse sedimentiert und zu einer Überschneidung von Geometrie, Raum und Erinnerung geführt haben. Auch die Renaissance hat bedeutende geschichtliche und künstlerische Spuren hinterlassen. Zwischen dem XV. und dem XVIII. Jahrhundert haben sich in der Tat einige adelige Familien im Val di No angesiedelt und kennzeichnen einen wichtigen Zeitabschnitt für das Tal, die so genannten “gentilizia”-Periode.
Die adeligen Palazzi und Wohnstätten auf dieser Talseite (Sanzeno, Revò, Don, Campodenno, Coredo, Sarnonico) bilden heute einen Umkreis von höchster kultureller Bedeutung.

Casa de Gentili

Die Casa de Gentili ragt über den wichtigsten Platz von Sanzeno und schließt diesen in Richtung Norden. Ihr Name geht auf die Familie zurück, die dort einige Jahrhunderte lange residierte, die Gentili, - eine der bedeutendsten und ältesten Tiroler Familien. Die Gentili stammten von einem gewissen “Albertus”, genannt “gentil”, aus Denno ab und sind sogar mit den Gentili aus Camerino in den Marken verwandt.
Der Hauptaltar der Basilika Santi Martiri di Sanzeno - ein Werk des Domenico Taliani - wurde, laut der auf der rechten Seite des Chorraums in Stein gemeißelten Aufschrift, im Jahre 1770 von den Brüdern Antonio und Giovanni Michele de Gentili de Worz erbaut. Die Casa de Gentili vereint somit ihren historischen Wert mit hochwertiger Architektur.
Wie das gesamte historische Stadtzentrum ist der Bau zweifellos sehr alt. Die ersten umfangreichen Arbeiten gehen auf das Jahr 1569 zurück, wie ein in den Innenräumen eingemeißeltes Datum bezeugt. Eine definitive Umwandlung in eine elegante Behausung der Genili mit Rundbögen, dekorierten Toren, Drillingsfenstern und Balkonen aus kunstvoll bearbeitetem Gestein und Eisengittern, fand jedoch Ende des XVII. Jahrhunderts statt.
Seit Ende des XVII. Jahrhunderts ist der Palazzo praktisch unversehrt geblieben. Die zur Piazza gerichtete Fassade - in einer unvergleichbaren Position - beherbergt zwei Daten: 1673 und 1694. Im Innenbereich entdeckt man eine überraschenderweise unversehrte Einrichtung, die in zwei Bereiche eingeteilt werden kann: der eine umfasst Möbel, Gemälde und Accessoires einer adeligen Familie aus dem Val di Non aus den XVII., XVIII. und XIX. Jahrhunderten, während der andere von dem Arbeitsbereich eines Pharmazeuten und Heilpflanzensammlers (der Letzte der Gentili) Zeugnis ablegt. Beide Bereiche stellen einen wichtigen Bestandteil der Geschichte des Val di Non dar. Der Erste besteht im Wesentlichen aus einer Gemäldesammlung der Familie (zu denen sich 72 Aquarelle von Kirchner aus dem Jahre 1920 gesellen, die Schlösser und Festungen der Valli del Noce abbilden) und einer Reihe von Truhen und Möbelstücken aus verschiedenen Epochen. Die zweite Gruppe hingegen beginnt auf symbolische Weise im Garten mit Kräutern und Heilpflanzen; es folgt die Trocknung dieser Pflanzen, die an der Theke der Pharmazie endet.
Nicht zu vergessen ist die Bibliothek, die von der wissenschaftlichen Zubereitung eines Heilmittelherstellers zeugt, der sich, geprägt durch sein starkes naturwissenschaftliches Interesse,  in italienischen wie auch deutschen Gefilden bewegt.
Weiterhin können in den Innenräumen Accessoires wie die wunderschönen Arzneimittelgefäße, Mörser und Destillierkolben, eine Sammlung alter Schlösser (einige aus dem 16. Jahrhundert) sowie Küchenutensilien und Geschirr bewundert werden. Die Prachtstücke der Casa de Gentili - ihr aktueller Eigentümer ist die Gemeinde von Sanzeno - werden, nach einer Restaurierung, der Öffentlichkeit in Kürze zur Verfügung stehen.